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Pfarrer Pucher

18.12.2015 18:51 von Josef Koch

„Armut macht keinen Spaß“

Pfarrer Pucher

"Niemand von Euch hat eine Garantie, im Leben nicht auf der Straße, im Vinzi-Dorf oder im Vinzi-Life zu landen. Dort, wo man vielleicht heute noch mit Verachtung hinschaut“, fand Wolfgang Pucher gestern in der Polytechnischen Schule in Leibnitz drastische Worte. Die rund 120 Schülerinnen und Schüler hörten gebannt zu - einigen sah man die Betroffenheit an. Der engagierte und streitbare Grazer Pfarrer - Initiator von mittlerweile 38 Betreuungseinrichtungen für Obdachlose, Alkoholiker und psychisch Kranke – erzählte gestern auf Einladung der Religionslehrerin Zeljka Platzer-Papic in der Südsteiermark aus seinem Leben.

Von seiner Großmutter, die als Magd in St. Georgen an der Stiefing vom Bauern vertrieben wurde und anfangs mit einem Baby - Puchers Mutter – in einem Kuhstall hausen musste. Von seiner einfachen, armseligen Kindheit in einem kleinen Haus in Zerlach bei Kirchbach, wo er in einem 30-Quadratmeter kleinen Haus mit seinen Eltern, Geschwistern und der Oma aufwuchs. „Ich habe meine ganze Kindheit gefroren. Am schönsten war es dann zu Weihnachten. Da wurde einmal im Jahr bei uns eingeheizt.“

Pucher erinnerte sich, dass er ein schlechter Schüler war, sich vieles nicht merken konnte. „In der dritten Klasse Gymnasium hatte ich sieben Nicht Genügend. Bis zur Matura, da habe ich nur gekämpft.“ Seine Berufung fand er schließlich im Theologiestudium, schon mit 23 Jahren wurde er zum Priester geweiht.

Das Poly sammelte

Vor 25 Jahren schließlich wurde die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg gegründet. Das Ziel: „Menschen unbürokratisch, schnell, manchmal auch unkonventionell Hilfe anzubieten und Not zu lindern.“ Rund 400 Bedürftige schlafen heute Nacht für Nacht in den Vinzieinrichtungen, 1400 Menschen werden pro Tag verköstigt. 750 Ehrenamtliche helfen mit. Auch die Leibnitzer Burschen und Mädchen und deren Lehrer halfen: Sie sammelten Decken, Schuhe und Toilettartikel, die sie gestern übergaben. Pfarrer Pucher: „Armut ist kein Thema, das Spaß macht. Armut hat kein schönes Gesicht.“

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